Friedenspfadfinder


Baden-PowellDer Gründer der Pfadfinderbewegung, Robert Stephenson Smyth Baden-Powell, 1. Baron Baden-Powell (* 22. Februar 1857 in London; † 8. Januar 1941 in Nyeri, Kenia) war ein britischer Kavallerie-Offizier und weltberühmter Kriegsheld.
Die Wurzeln unseres Pfadfindens gründen in BiPis militärischen Erfahrungen. Unsere Tracht ist der Uniform der Kolonialtruppen entlehnt. Und dennoch sind Pfadfinder von Anfang an Friedenspfadfinder. Wie erklärt sich dies?

BiPi war ein Offizier ganz besonderer Art. Berufssoldat wurde er, weil seine Schulnoten für einen anderen Beruf in den Kolonien, z.B. Kaufmann oder Missionar, - er wollte reisen- angeblich zu schlecht waren. In der Offiziersausbildung war er dann aber stets einer der Besten. Stationiert wurde er hauptsächlich bei den britischen Kolonialtruppen in Indien und Afrika.

BiPi widmete sich von Anfang an der Ausbildung und Betreuung der jungen Rekruten. Dies umfasste für ihn auch sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Er machte dabei keinen Unterschied zwischen Europäern und Einheimischen, zwischen Rekruten hohen oder niederen sozialen Standes. Damit eckte er aber bei seinen Vorgesetzten auch an.

BiPi verbesserte die Ausbildung der Rekruten erfolgreich durch die Einführung des von ihm entwickelten Prinzips der selbständigen Kleingruppe mit 6 - 8 Soldaten und der Einführung eines Erste-Hilfe-Kurses. Er entwickelte eine neue Waffengattung, die der Armeekundschaftler, und nannte sie Scouts. Ihre Tätigkeit, das Scouting, zielte darauf ab, dass die Kundschafter allein oder in der Kleingruppe im Feindesland Informationen sammeln sollten, und zwar verdeckt, mittels Überlebenstechniken für die Wildnis, nur mit List und möglichst ohne Blutvergießen.

Das militärische Ziel BiPis war, aufgrund dieser Informationen Schlachten zu vermeiden und den Gegner allein durch List und ohne Blutvergießen zu überwinden. BiPi hatte mit diesen Neuerungen großen Erfolg und sein Ruhm als Kriegsheld gründet darauf. Viele der von ihm auf diese Weise bezwungenen Gegner wurden später seine Freunde und mancher auch in seinem Land dann Gründer der Pfadfinderbewegung.

Für BiPi standen hinter diesen neuen Vorstellungen die schrecklichen Erfahrungen des Afghanistankrieges von 1880.
Dass Krieg und Gewalt auf jeden Fall vermieden und von der Erde gebannt werden müssen und dass der Schlüssel zum Weltfrieden allein in der Jugend der Völker liegt, stand für BiPi seit 1880 unerschütterlich fest.

BiPi schrieb ein militärisches Handbuch zur Ausbildung von Armeescouts und bald eine zweite, verbesserte Fassung. Als er erfuhr, dass in England Kinder und Jugendliche nach seinem militärischen Handbuch von sich aus Scouting spielten und sein Buch der Jugendbestseller schlechthin geworden war, war er zunächst entsetzt. Er wollte nicht, dass Kinder und Jugendliche Krieg spielen und am allerwenigstens wollte er selbst den Anlass dazu gegeben haben. Sein Bruder erklärte ihm aber, dass nicht Krieg gespielt wurde, sondern es sich um abenteuerliches Leben von Kleingruppen in der Natur handelte.

BiPi erkannte, dass er damit den Schlüssel zur Friedenserziehung der Jugend gefunden hatte:
Den Charakter prägende abenteuerliche Gruppenerlebnisse in der Jugendzeit können allein später die Erwachsenen davon abhalten, aufeinander kriegerisch loszugehen. Die Idee des Friedenspfadfinders war geboren.

Der Erfolg seines militärischen Buches führte BiPi dazu, nach einem Versuchslager vom 01.08. bis 08.08.1907 auf Brownsea-Island vor Poole, dem "experimental camp", 1908 als Ersatz eine zivile Fassung des Buches zu schreiben.
"Scouting for Boys". Das Buch wurde weltweiter Bestseller und ist bis heute die Grundlage unseres Pfadfindens.

Den Rest seines Lebens widmete BiPi dem Aufbau und der Organisation der weltweiten Pfadfinderbewegung als Jugendbewegung für den Weltfrieden, besonders nach dem Ersten Weltkrieg. Auch unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg waren es die Pfadfinderinnen und Pfadfinder in Frankreich, USA, Schweiz und Skandinavien, die der deutschen Jugend als erste wieder die Hände über den Graben reichten.


Bildquelle: David Jagger 1929; Copyright WOSM